Microsoft stellt den integrierten Ähnlichkeitsprüfer im Microsoft Editor für Word zum 3. Oktober 2026 ersatzlos ein
Microsoft hat angekündigt, dass der integrierte Ähnlichkeitsprüfer im Microsoft Editor für Word weltweit am 3. Oktober 2026 eingestellt wird. Die Abschaltung betrifft die Online-Analyse von Textpassagen, die bisher mit frei indizierten Webseiten abgeglichen wurde. Für Schulen, Hochschulen, Kanzleien und Redaktionen bedeutet das, dass ein bislang praktisches Kontrollwerkzeug in Word entfällt und Arbeitsabläufe, Lizenzbudgets sowie Schnittstellen zu Drittanbieter-Tools kurzfristig angepasst werden müssen.
Was ist der Microsoft Ähnlichkeitsprüfer und wie funktionierte er?
Der Ähnlichkeitsprüfer wurde erstmals im März/ Juli 2020 im Microsoft Editor veröffentlicht. Technisch basierte er auf der Bing-Suchmaschinentechnologie und nutzte den öffentlichen Bing-Suchindex, um markierte Textsegmente primär mit frei abrufbaren Webseiten abzugleichen. Die ersten Sprachunterstützungen waren auf Englisch beschränkt, wurden später schrittweise erweitert. Der Dienst zeigte gefundene Übereinstimmungen in Prozent an, markierte Treffer direkt im Dokument und ermöglichte das Einfügen von Zitaten und Quellenangaben über die integrierte Zitierfunktion.
Wichtig zu beachten ist, dass der Ähnlichkeitsprüfer keinen automatisierten Zugriff auf lizenzpflichtige Volltext-Verlagsdatenbanken (z. B. Elsevier, Springer, IEEE) oder hochschuleigene Seminararbeits-Archive hatte. Damit war die Datenbasis im Vergleich zu spezialisierten Plagiatserkennungsdiensten deutlich eingeschränkter.
Gründe für die Abschaltung und Abgrenzung zu Microsoft 365 Copilot
Im Microsoft 365 Message Center wurde mit der Referenz MC1466753 offiziell mitgeteilt, dass die Ressource "Connected Experience" für die Ähnlichkeitsprüfung zum 3. Oktober 2026 weltweit eingestellt wird. Microsoft begründet die Entscheidung damit, dass sich das Unternehmen künftig stärker auf Kernfunktionen fokussieren möchte. Gleichzeitig wird eine klare Trennlinie zu den KI-Assistenten wie Microsoft 365 Copilot gezogen: Copilot übernimmt generative Textaufgaben, ist jedoch ausdrücklich kein Werkzeug zur Überprüfung von Textähnlichkeiten, Originalität oder Plagiaten.
Technische Grenzen und Schwachstellen im Vergleich zu spezialisierten Anbietern
Der ausschließliche Einsatz des öffentlichen Bing-Suchindexes brachte mehrere Einschränkungen mit sich:
- Keine Anbindung an geschlossene, lizenzierte Datenbanken von wissenschaftlichen Verlagen.
- Fehlende Abdeckung von hochschuleigenen Textkorpora und internen Seminararbeiten-Archiven.
- Gelegentliche Fehl-Positiv-Treffer, die zu Verwirrungen im Praxisalltag führten.
- Mehrere mehrtägige Ausfälle im Jahr 2023, die die Abhängigkeit von einem reinen Cloud-Dienst ohne lokale Fallback-Option verdeutlichten.
Im direkten Vergleich zu etablierten akademischen Prüfdiensten wie Turnitin, die über mehr als 1,4 Milliarden Arbeiten und 99 Milliarden Webseiten verfügen, zeigte sich die Genauigkeit des Microsoft-Scanners als lückenhaft. Spezialdienste können zudem geschlossene Verlagsarchive und institutionelle Repositorien einbeziehen, was für anspruchsvolle wissenschaftliche Prüfungen unabdingbar ist.
Auswirkungen für Schulen, Hochschulen, Kanzleien und Redaktionen
Der Wegfall des integrierten Ähnlichkeitsprüfers hat mehrere Konsequenzen für Bildungseinrichtungen, Rechtsabteilungen und redaktionelle Teams:
- Verlust eines sofort verfügbaren Kontrollwerkzeugs innerhalb von Word.
- Notwendigkeit, bestehende Workflows zu überarbeiten und alternative Prüfverfahren zu implementieren.
- Erhöhte Planungsaufwände für Lizenzbudgets, da Drittanbieter-Add-ins separate Kosten verursachen.
- Erforderliche Anpassungen bei der Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben, insbesondere bei der Verarbeitung vertraulicher Texte.
Handlungsanweisungen für IT-Administratoren
Für IT-Verantwortliche ergeben sich konkrete Aufgaben, um die Umstellung reibungslos zu gestalten:
- Informieren Sie alle betroffenen Nutzer rechtzeitig über das Abschaltdatum (03.10.2026) und die zu erwartenden Änderungen.
- Aktualisieren Sie interne Dokumentationen und Schulungsmaterialien, die den Microsoft Editor und die Plagiatsprüfung beschreiben.
- Evaluieren Sie geeignete Drittanbieter-Add-ins (z. B. Turnitin, Grammarly, PlagAware) im Microsoft 365 Admin Center.
- Schließen Sie notwendige Auftragsverarbeitungsverträge (AVV) mit den ausgewählten Anbietern ab.
- Regeln Sie die Add-in-Freigaben zentral über das Admin Center und passen Sie das Rechtemanagement an.
- Führen Sie Datenschutz- und Sicherheitsbewertungen für die neuen Tools durch, um Risiken bei der Verarbeitung sensibler Daten zu minimieren.
Alternative Tools und deren Auswahlkriterien
Je nach Einsatzszenario stehen verschiedene Alternativen zur Verfügung. Die wichtigsten Anbieter und ihre Eigenschaften lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Turnitin / iThenticate: Umfangreiche Datenbank mit über 1,4 Milliarden Arbeiten und 99 Milliarden Webseiten; ideal für Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
- Grammarly: All-in-One-Schreibtool mit integrierter Plagiatsprüfung; erfordert separate Lizenz.
- PlagAware: Fokus auf deutschsprachige Inhalte, ebenfalls als Add-in verfügbar.
- Scribbr (Turnitin-basiert): Besonders für Studierende geeignet.
- Copyleaks und Quetext: Weitere cloud-basierte Prüfdienste mit unterschiedlichen Preis- und Funktionsmodellen.
Bei der Auswahl sollten Organisationen folgende Kriterien berücksichtigen:
- Genauigkeit und Datenbankabdeckung (öffentliche Web-Indexe vs. geschlossene Verlagsarchive).
- Datenschutz- und Sicherheitskonformität, insbesondere bei vertraulichen Unternehmensdokumenten.
- Kostenstruktur und Lizenzmodelle im Vergleich zum bisherigen Microsoft-Dienst.
- Integration in bestehende Microsoft-365-Umgebungen über das Admin Center.
FAQ zur Abschaltung des Ähnlichkeitsprüfers
- Verschwindet mit dem Ähnlichkeitsprüfer der gesamte Microsoft Editor? Nein. Rechtschreib-, Grammatik-, Zeichensetzungs- und Stilkorrekturen sowie die Zitierfunktionen bleiben erhalten. Nur die Online-Ähnlichkeitsanalyse wird entfernt.
- Kann Copilot in Word künftig Plagiate aufspüren? Nein. Microsoft betont ausdrücklich, dass Copilot generative Textaufgaben übernimmt und nicht für die Überprüfung von Ähnlichkeit, Plagiaten oder Originalität zertifiziert ist.
- Welche direkten Word-Erweiterungen bieten sich als Alternative an? Offizielle Add-ins von Turnitin, Grammarly oder PlagAware können über das Microsoft 365 Admin Center bereitgestellt werden, erfordern jedoch separate Lizenzen.
Fazit
Die Abschaltung des integrierten Ähnlichkeitsprüfers zum 3. Oktober 2026 markiert das Ende einer praktisch eingebetteten, aber technisch limitierten Plagiatsprüfung in Microsoft Word. Während Kernfunktionen wie Rechtschreibung, Grammatik und Zitieren erhalten bleiben, müssen Bildungseinrichtungen, Kanzleien und Redaktionen nun schnell auf spezialisierte Drittanbieter-Tools umsteigen. Für IT-Administratoren bedeutet dies einen klaren Handlungsrahmen: Nutzer informieren, Add-ins evaluieren, Datenschutz-Verträge abschließen und die neue Lösung zentral im Admin Center bereitstellen. Nur so lässt sich die Lücke, die durch das Wegfallen des Microsoft-Scanners entsteht, ohne Qualitäts- und Sicherheitsverlust schließen.
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