Customer-side Translator (CLAT) in Windows 11 - Allgemeine Verfügbarkeit für WLAN und Ethernet
Unternehmen, die ihre Netzwerkarchitektur auf reines IPv6 umstellen wollen, können nun mit Windows 11 den langjährigen Dual-Stack-Parallelbetrieb beenden, ohne dass bestehende IPv4-Anwendungen ausfallen. Der Customer-side Translator (CLAT) ist seit dem Windows 11 Build 26200.9550 (Version 25H2) allgemein verfügbar und funktioniert nicht mehr nur über Mobilfunk-Modems, sondern unterstützt auch WLAN- und Ethernet-Schnittstellen.
Was ist CLAT und warum ist es wichtig?
CLAT ist die Client-Seite der 464XLAT-Architektur, die in RFC 6877 definiert ist. Sie wandelt ausgehende IPv4-Pakete zustandslos in IPv6-Pakete um (Stateless NAT64) und leitet sie an den Provider-seitigen Translator (PLAT) weiter, der sie wieder in IPv4 zurückübersetzt. Damit können alte IPv4-Applikationen in einem reinen IPv6-Netz weiterlaufen, während gleichzeitig die Notwendigkeit eines parallelen IPv4-Stacks entfällt.
Allgemeine Verfügbarkeit von CLAT in Windows 11
- Verfügbar ab Windows 11 Version 25H2, Build 26200.9550 (2026).
- Offizielle Mitteilung von Microsoft (Tech Community Blog, 27.10.2026).
- Unterstützt sowohl WLAN- als auch Ethernet-Adapter.
- Zurzeit nur für ausgehende Verbindungen aktiv - eingehende IPv4-Server-Sockets werden nicht übersetzt.
Historischer Kontext - Von Windows Phone zum Desktop
Die CLAT-Technologie wurde erstmals für Windows Phone entwickelt und mit dem Windows 10 Creators Update (Version 1703, Build 15063) im April 2017 als Teil des Desktop-Betriebssystems integriert. Dort war die Nutzung jedoch ausschließlich auf WWAN-Modems (LTE) beschränkt. Die Öffnung für kabelgebundene und drahtlose Netzwerkadapter markiert einen lang erwarteten Meilenstein für die IPv6-Community.
Erweiterung auf WLAN und Ethernet
Bislang war CLAT nur für Mobilfunkverbindungen verfügbar. Microsoft hat nun angekündigt, dass die Funktion über das Vorab-Update KB5127936 (Release-Preview-Kanal, seit 16. Oktober 2026) bereits getestet wird und im regulären November-2026-Update für alle Windows 11-Nutzer bereitsteht. Administratoren können CLAT über Gruppenrichtlinien oder per Kommandozeile aktivieren.
Hinter der Implementierung steht die standardisierte 464XLAT-Architektur (IETF RFC 6877). Damit der lokale Windows-Übersetzer IPv4-Pakete zielgerichtet in IPv6 umwandeln kann, benötigt er das netzwerkspezifische NAT64-Präfix des Gateways. Windows 11 ermittelt dieses Präfix primär vollautomatisch über die PREF64-Option in den IPv6-Router-Advertisements gemäß RFC 8781. Steht diese Router-Information nicht bereit, greift das Betriebssystem auf eine DNS64-Syntheseprüfung über die standardisierte Abfrage "ipv4only.arpa" zurück (RFC 7050). Erst nach erfolgreicher Präfix-Erkennung richtet das Betriebssystem ein internes virtuelles IPv4-Interface ein, das als Standard-Gateway für veraltete Anwendungen fungiert.
Für Systemverwalter fügt sich CLAT nahtlos in moderne Übergangskonzepte wie "IPv6-Mostly" (RFC 8925) ein. Hierbei teilt der DHCP-Server CLAT-fähigen Endgeräten über die DHCP-Option 108 mit, dass sie ihren IPv4-Stack deaktivieren können, während nicht unterstützte Geräte weiterhin herkömmliche IPv4-Adressen beziehen.
Automatisierte Präfix-Erkennung gemäß RFC 8781 und RFC 7050
Damit Windows CLAT IPv4-Pakete lokal in IPv6 kapseln kann, muss der Client das herstellerspezifische NAT64-Präfix (PREF64) kennen. Windows 11 liest diese Information primär automatisiert per Router Advertisement (RA) gemäß RFC 8781 aus. Fehlt die PREF64-Option, wird eine synthetische DNS-Abfrage der reservierten Domain "ipv4only.arpa" nach RFC 7050 gesendet. Das Standard-NAT64-Präfix hat die Länge 96 Bit (Well-Known Prefix 64:ff9b::/96); die letzten 32 Bit stellen die IPv4-Zieladresse dar (RFC 6052, 2010).
Übergangsmodell "IPv6-Mostly" über DHCP Option 108
Die Einführung von Windows CLAT harmonisiert direkt mit dem Standard für "IPv6-Mostly"-Netzwerke nach RFC 8925. Unterstützt ein Client CLAT, signalisiert ihm der DHCP-Server über Option 108, den lokalen IPv4-Stack für dieses Interface komplett zu deaktivieren, während Legacy-Clients im selben Subnetz weiterhin reguläre IPv4-Leases erhalten. Der Optionscode 108 wurde 2020 definiert und ermöglicht eine schrittweise Migration ohne Subnetztrennung.
Beschränkungen und Gegenmaßnahmen
- Keine Unterstützung für eingehende Server-Sockets oder Peer-to-Peer-Verbindungen - nur ausgehende Übersetzung.
- Der PC muss seine IPv6-Adresse per SLAAC beziehen; DHCPv6-Prefix-Delegation wird nicht unterstützt.
- Windows-Subsystem für Linux (WSL) bleibt vorerst außen vor.
- Unternehmen mit reinen Stateful-DHCPv6-Umgebungen können CLAT aktuell nicht nutzen.
Administratoren sollten diese Einschränkungen bei der Planung von IPv6-Only-Netzen berücksichtigen und ggf. Ausnahmen für Server- oder P2P-Dienste bereitstellen.
Praxis: Aktivierung und Konfiguration von CLAT
- Manuelle Aktivierung per PowerShell oder Eingabeaufforderung:
netsh.exe interface clat set global permit=enabled - Nach einem Neustart ist das virtuelle IPv4-Interface bereit.
- Automatischer Betrieb kann über Gruppenrichtlinien (GPO) zentral ausgerollt werden.
- Für Testumgebungen ist das Vorab-Update KB5127936 im Release-Preview-Kanal verfügbar.
FAQ
- Wie lässt sich Windows CLAT über die Kommandozeile manuell aktivieren?
Administratoren können die Funktion in einer administrativen PowerShell oder Eingabeaufforderung über den Befehlnetsh.exe interface clat set global permit=enabledeinschalten und nach einem Neustart nutzen. - Wie erfährt Windows CLAT vom NAT64-Präfix des Routers?
Windows wertet primär die PREF64-Option in IPv6-Router-Advertisements nach RFC 8781 aus; ist diese nicht vorhanden, sendet das System eine DNS64-Abfrage an ipv4only.arpa (RFC 7050), um das zuständige Präfix abzuleiten.
Fazit
Mit der allgemeinen Verfügbarkeit von CLAT für WLAN- und Ethernet-Schnittstellen in Windows 11 25H2 eröffnet Microsoft Unternehmen eine praktikable Möglichkeit, Legacy-IPv4-Anwendungen in reinen IPv6-Netzen am Leben zu erhalten. Durch die automatische Präfix-Erkennung (RFC 8781, 7050) und das unterstützte "IPv6-Mostly"-Übergangsmodell (DHCP Option 108) können Administratoren den kostenintensiven Dual-Stack-Parallelbetrieb schrittweise abschaffen. Gleichzeitig gelten klare technische Grenzen - insbesondere die fehlende Unterstützung für eingehende IPv4-Verbindungen und die zwingende Nutzung von SLAAC. Wer diese Punkte berücksichtigt, kann mit CLAT einen wichtigen Schritt in Richtung zukunftssicherer IPv6-Netzarchitektur gehen.
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