Aktuelle Statistiken zur Nutzung von Windows 10 und den damit verbundenen Sicherheitsrisiken
Aktuelle Statistiken zur Nutzung von Windows 10 und den damit verbundenen Sicherheitsrisiken
Obwohl der reguläre Support für Windows 10 bereits ausgelaufen ist, bleibt das Betriebssystem nach wie vor auf einem erheblichen Teil der Unternehmens-IT im Einsatz. Die langsame Migration zu Windows 11 führt zu einer wachsenden Angriffsfläche, weil veraltete Systeme häufiger bekannte Schwachstellen aufweisen und Unternehmen, die nicht unterstützte Software verwenden, laut aktuellen Studien deutlich stärker von Cyberangriffen bedroht sind. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Kennzahlen, die Gründe für die verzögerte Umstellung und konkrete Handlungsempfehlungen für IT-Entscheider zusammen.
Marktanteil von Windows 10 im Jahr 2023
Verschiedene Quellen belegen, dass Windows 10 nach wie vor einen hohen Marktanteil besitzt:
- Laut StatCounter lag der weltweite Marktanteil von Windows 10 im Oktober 2023 bei 19,4 % aller Windows-Versionen.
- Der IT-Asset-Management-Dienstleister Lansweeper ermittelte, dass 16,9 % der erfassten Windows-Geräte noch Windows 10 ausführen.
- Im gleichen Datensatz von Lansweeper nutzen kleine und mittlere Unternehmen sogar 21,4 % ihrer Geräte Windows 10.
Die Zahlen zeigen, dass trotz der angekündigten Support-Einstellungen die Migration zu Windows 11 deutlich langsamer verläuft als erwartet und dass Windows 10 nach wie vor auf fast jedem sechsten PC präsent ist.
Sicherheitslücken: Vergleich Windows 10 vs. Windows 11
Die Sicherheitslage unterscheidet sich zwischen den beiden Betriebssystemen stark:
- Windows 10-Geräte weisen im Durchschnitt 1 903 bekannte Sicherheitslücken (CVEs) auf.
- Windows 11-Systeme kommen im Schnitt auf 652 CVEs, also weniger als ein Drittel der Schwachstellen von Windows 10.
- Selbst Geräte, die bereits Extended Security Updates (ESU) erhalten, sind in die Statistik der 1 903 CVEs einbezogen.
- Durch das sogenannte "Patch Diffing" können Angreifer aus Windows 11-Patches Rückschlüsse auf noch nicht gepatchte Schwachstellen in Windows 10 ziehen.
Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass jede noch vorhandene Windows 10-Installation ein potenzielles Einfalltor für Angreifer darstellt.
Auswirkungen des Support-Endes und erhöhte Angriffsanfälligkeit
Der offizielle Support für private Windows 10-Nutzer endet im Oktober 2027, während Geschäftskunden den kostenpflichtigen ESU-Support bis Oktober 2028 verlängern können. Nach diesem Datum erhalten Unternehmen keine Sicherheitsupdates mehr.
- Der Cybersecurity-Report 2023 von Veritas zeigt, dass Unternehmen, die nicht unterstützte Software einsetzen, 3,5-mal stärker von Cyberangriffen betroffen sind.
- Der kostenpflichtige ESU-Support ist nur ein temporärer Ausweg und kann die grundsätzliche Sicherheitslücke nicht dauerhaft schließen.
- Branchen mit hohem Anteil an Windows 10, wie Gesundheits- und Pharmasektor ( 23 % ) sowie Einzelhandel ( 22,7 % ), stehen besonders im Fokus von Angreifern.
Die Kombination aus ablaufendem Support, hoher CVE-Zahl und nachweislich höherer Angriffsrate macht ein sofortiges Handeln erforderlich.
Hauptgründe für die verzögerte Migration zu Windows 11
Mehrere Faktoren hemmen den Umstieg, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen:
- Kosten für neue Hardware: Viele Unternehmen müssen erhebliche Investitionen tätigen, um die Systemvoraussetzungen von Windows 11 zu erfüllen.
- Technische Einschränkungen: Medizinische Geräte, Industrieanlagen oder Kassensysteme sind häufig an bestimmte Betriebssystemversionen gebunden und benötigen Hersteller-Zertifizierungen für Windows 11.
- Organisatorische Hürden: Die Modernisierung bestehender IT-Infrastrukturen erfordert Planung, Ressourcen und Schulungen.
- Isolierte Netzwerke: Einige Unternehmen betreiben kritische Systeme bewusst in abgeschotteten Netzwerken und akzeptieren das verbleibende Risiko.
Diese Punkte erklären, warum die Migration nach einem zunächst schnellen Start nahezu zum Stillstand gekommen ist.
Empfehlungen für IT-Verantwortliche
Um die Sicherheitslage zu verbessern, sollten IT-Leiter folgende Schritte prüfen:
- Bestandsaufnahme: Ermitteln Sie, welche Geräte noch Windows 10 nutzen und in welchen Bereichen sie eingesetzt werden.
- Risikobewertung: Priorisieren Sie Systeme mit hoher CVE-Zahl und solche in besonders kritischen Branchen.
- Planung von Upgrades: Entwickeln Sie einen realistischen Zeitplan für die Umstellung auf Windows 11, inklusive Budget für neue Hardware.
- ESU-Nutzung als Übergangslösung: Nutzen Sie den kostenpflichtigen ESU-Support nur, solange ein Upgrade technisch nicht sofort möglich ist, und planen Sie den Ausstieg bis spätestens Oktober 2028.
- Patch-Management stärken: Implementieren Sie ein zentrales System, das sowohl Windows 10- als auch Windows 11-Patches zeitnah verteilt, um das Risiko von Patch-Diffing zu minimieren.
- Kommunikation mit Herstellern: Fordern Sie Zertifizierungen für spezialisierte Geräte an, um die Kompatibilität mit Windows 11 zu beschleunigen.
Durch ein strukturiertes Vorgehen können Unternehmen die Angriffsfläche reduzieren und gleichzeitig die Kosten für Notfall-Patches und mögliche Datenpannen senken.
Fazit
Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, dass Windows 10 trotz abgelaufenem regulärem Support nach wie vor auf einem erheblichen Teil der Unternehmens-IT aktiv ist - zwischen 16,9 % und 19,4 % aller Windows-Geräte. Die durchschnittliche Zahl von 1 903 bekannten Sicherheitslücken pro Gerät, kombiniert mit einer 3,5-fach erhöhten Anfälligkeit für Cyberangriffe, macht das Risiko untragbar. Technische, organisatorische und finanzielle Hürden verlangsamen die Migration zu Windows 11, doch die Konsequenzen eines verzögerten Umstiegs können weitaus teurer sein. Unternehmen sollten daher jetzt eine detaillierte Bestandsaufnahme durchführen, gezielte Upgrades planen und den ESU-Support nur als kurzfristige Brücke nutzen. Nur durch konsequente Modernisierung kann die IT-Sicherheit langfristig gewährleistet werden.
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