Bits, Bytes und digitale Trends
Suche anzeigen
Geschäftsmann hält leuchtendes Tablet in den Händen

Cybermobbing und Privatsphäre - Wie dir Experten weiterhelfen [INTERVIEW]

Im zweiten Teil unseres Artikels zur Fragestellung "Wie lösche ich mich aus dem Internet?" beantworten die Geschäftsführer der Plattformen deinguterRuf.de und yourreputation24.com die wichtigsten Fragen zu ihrer Tätigkeit als professionelle Online-Reputationsmanager.

Preisgestaltung

Auf deinguterruf.de lassen sich Löschaufträge bereits ab 29,95 Euro in Auftrag geben, auf yourreputation24.com ab 129 Euro, wobei sich das Leistungsportfolio für diese Preise im Umfang deutlich unterscheidet.

Das Internet ist eine unendliche Quelle an Informationen, allerdings möchte nicht jeder User namentlich im World Wide Web zu finden sein. Dies kann unterschiedliche Gründe haben.

Während wir euch im Artikel "Cybermobbing und Privatsphäre – Strategien, um sich aus dem Internet zu löschen" Tipps an die Hand gegeben haben, damit ihr Interneteinträge zu eurer Person systematisch auf eigene Faust dezimieren könnt, haben wir für den zweiten Teil Profis auf diesem Gebiet befragt: Benjamin Reisle von der CLICKONMEDIA UG (yourreputation24.com) und Christian Keppel von Movevision GmbH (deinguterruf.de).

Aus welchen Gründen wenden sich Menschen an Sie, um Einträge über sich aus dem Internet entfernen zu lassen? Welche Motivation steckt am häufigsten dahinter?

Keppel:

Die Beweggründe für den Wunsch auf Entfernung eines Eintrages sind extrem vielfältig. Es gibt selbst erstellte, veraltete Einträge, von Dritten erstellte ungewünschte Einträge, veraltete Daten (zum Beispiel Adressen/Telefonnummern), und es gibt sehr explizite Inhalte, welche teilweise selbst und teilweise von Dritten hochgeladen wurden. Es gibt im Business-Bereich auch Einträge mit veralteten Marketing-Aussagen, welche nicht mehr verwendet werden dürfen und daher entfernt werden müssen.

Reisle:

Bei Privatpersonen geht es oft um peinliche Bilder, alte Foreneinträge oder Identitätsdiebstahl.

Viele Kunden wenden sich an uns, um Ihre Reputation zu schützen oder zu verbessern. (...) Bei Unternehmen handelt es sich regelmäßig um Negativeinträge von angeblichen Kunden oder alten Einträgen, die nicht mehr mit dem Unternehmen in Verbindung gebracht werden sollen. Bei Privatpersonen geht es oft um peinliche Bilder, alte Foreneinträge oder Identitätsdiebstahl. Nicht selten werden über eine Person auch Dinge im Internet verbreitet, die schlichtweg nicht stimmen. Wir versuchen dann als Agentur, das Bestmögliche aus der Situation rauszuholen.

In welchen Fällen erreichen Sie ihre Grenzen, sind also nicht in der Lage eine namentliche Erwähnung entfernen zu lassen?

Keppel:

Es gibt immer mal wieder anonyme Betreiber, die nicht kooperativ sind.

Es gibt einige Portale, welche gezielt auf die Diffamierung von Personen und/oder Firmen ausgerichtet sind. Diese Portale sind auf unserer Blacklist und eine Entfernung ist dort nicht möglich. Wir haben eine Erfolgsquote von 85 Prozent, auch weil wir Einträge auf Plattformen der Blacklist nicht bearbeiten.

Des Weiteren gibt es immer mal wieder einen anonymen Betreiber, welcher nicht kooperativ ist. Und abschließend kann es vorkommen, dass zwischen dem Betreiber selber und unserem Kunden ein direkter Disput herrscht. In so einem Fall ist eine Entfernung eher unwahrscheinlich.

Reisle:

Bei offiziellen Presseberichten größerer Verlage oder Negativeinträgen auf Webseiten in Panama ist es jedenfalls schwieriger, als wenn es sich um ein deutsches Forum handelt.

Im Zweifel muss von uns die Erfolgsaussicht individuell geprüft werden. Es gibt jedoch immer wieder auch Fälle, bei denen Dinge gelöscht werden, mit denen selbst wir nicht gerechnet haben und der Kunde es eben trotzdem auf "gut Glück" versuchen wollte.

Wir versuchen, zwischen dem Kunden und dem Betreiber zu vermitteln und entweder eine Löschung oder Veränderung zu erzielen, sodass es den Eintrag im besten Fall nicht mehr gibt - oder wenn dies nicht gelingt, das Image durch weitere Maßnahmen zu optimieren

Gab es besonders aufwendige Fälle?

Keppel:

Wir hatten bereits mehrfach Fälle, bei denen der Betreiber nur sehr schwer zu kontaktieren ist. Hierbei ist teilweise fast schon detektivische Arbeit notwendig um den tatsächlichen Betreiber zu kontaktieren. Hierbei kann entsprechend größerer Aufwand entstehen.

Reisle:

Die meisten unserer Fälle sind aufwendig. Wenn es "einfach" wäre, würden die Kunden sich selbst um ihre Reputation kümmern, anstatt viel Geld für einen Dienstleister auszugeben. Aber besonders Aufträge mit Betreibern im Ausland sowie unkooperativen Anbietern kosten uns manchmal mehr, als sie uns letztlich einbringen. Dieses Risiko tragen aber wir.

In der Vergangenheit gab es durchaus auch Kritik, zum Beispiel wenn Personen über Sie Einträge löschen lassen wollten, die unter das Presserecht fielen. Wie gehen Sie damit heute um?

Keppel:

In solchen Fällen ist es in der Regel eine Ermessenssache. Das heißt, dass von Fall zu Fall entschieden werden muss. Hierbei stehen wir dann im engen Dialog mit den verantwortlichen Betreibern und erarbeiten gemeinsam, ob das öffentliche Interesse oder das Persönlichkeitsrecht überwiegen. Hierbei leisten wir allerdings ausdrücklich keine juristische Arbeit.

Reisle:

Uns interessiert das Presserecht als Agentur für Online-Reputation nicht.

Uns interessiert das Presserecht als Agentur für Online-Reputation nicht. Kritik darf es da ruhig geben. Dies rechtlich einzuschätzen ist aber die Aufgabe von Rechtsanwälten. Wir haben bei uns Kunden, deren Existenz wegen solcher Einträge gefährdet ist. Ihnen drohen der Jobverlust, Karrierehindernisse und Probleme im sozialen Alltag.

Für uns ist am Ende nur wichtig, dass der Kunde sich wieder selbst googeln kann, ohne dabei Ängste haben zu müssen. Wenn Einträge wegen unserer Interventionen gelöscht oder verändert werden, geschieht dies im Einvernehmen mit dem Seitenbetreiber. Und wenn nicht, haben wir genug andere Möglichkeiten, das Online-Image zu reparieren.

Gab es Kunden, die sich wegen Cybermobbings an Sie gewandt haben? Ist es überhaupt möglich, die Übeltäter ausfindig zu machen?

Keppel:

Cybermobbing Aufträge haben wir regelmäßig. Hierbei bearbeiten wir allerdings nur die Einträge. Die Identifizierung des Verantwortlichen obliegt uns nicht.

Reisle:

Cybermobbing ist ein ständiges Problem der heutigen Welt. Geschätzt jeder vierte oder fünfte Kunde hat direkt oder indirekt Probleme damit. Die Übeltäter agieren zumeist im Verborgenen und sind selbst durch Ermittlungsbehörden oft nicht ausfindig zu machen. Für solche Fälle arbeiten wir jedoch mit einer Detektei und einer Anwaltskanzlei zusammen.

Nach ihrer Erfahrung: Wie oft hinterlassen Nutzer unfreiwillig selbst Spuren im Netz, die sie anschließend gerne verwischen möchten?

Keppel:

Dies kommt recht häufig vor und hängt häufig mit mangelnder Erfahrung mit dem Umgang des Internets zusammen. Es kommt immer wieder vor, dass unsere Kunden Fragen und/oder Meinungen im Netz posten und sich nicht darüber im Klaren sind, dass es sich um öffentliche Einträge handelt und diese auch über den Namen unserer Kunden gefunden werden können.

Reisle:

Wer noch nie Probleme mit seiner eigenen Reputation hatte, beschäftigt sich nicht damit. Der Schock ist umso größer, wenn man "real", zum Beispiel von Arbeitskollegen, auf problematische Internet-Einträge angesprochen wird. Somit können wir aus Erfahrung sagen, dass fast täglich unfreiwillig oder gar freiwillig Spuren im Netz hinterlassen werden, die irgendwann wieder gelöscht werden sollen.

Präventiv handeln statt später Reue

Um auf der sicheren Seite zu sein, lohnt es sich, den eigenen Namen zu googlen und sich über persönliche Daten Gedanken zu machen, bevor potenzielle Negativ-Interneteinträge lange im Netz stehen. Auch die Erstellung eines Google-Alerts hilft.

Teasergrafik - (Wright Studio)  Shutterstock.com 

Kommentare

Um einen Kommentar zu verfassen, melde Dich an oder registriere Dich jetzt auf downloaden.de!